Hochlandpiste F35 (Kjalvegur)

Nach dem Besuch des imposanten Gullfoss setze ich meinen Weg auf der Road 35 in Richtung Norden fort. An dem anfänglich noch asphaltierten Streckenabschnitt sehe ich auch die letzten Pferde, die in eindrucksvoller Kulisse auf grünen Weiden stehen und das saftige Gras verköstigen.

Die Landschaft ändert sich zusehens: das kräftige Grün tritt zurück und wird vom Gelb-Braun der trockenen Stein- und Geröllebenen ersetzt. Nach einigen Kilometern endet auch der asphaltierte Restabschnitt der Road 35. Als Schotterpiste F35 (Kjalvegur) führt sie weiter in Richtung Norden. Mietwagenverleiher und Behörden schreiben ein Allradfahrzeug auf der Hochlandpiste vor. Über die Geröllebenen hinweg ragen am Horizont die weißen Flächen der Gletscherkappen hervor.

Auf Höhe einer auffälligen Felsformation zieht ein kleiner Bachlauf meine Aufmerksamkeit auf sich. Aber nicht der Bach selbst, sondern die saftig-grellgrünen Moosteppiche am Ufersaum laden mich zu einem Zwischenstop ein. Ohne auf die empfindlichen Moosflächen zu treten, fing ich mit meiner Kamera einige schöne Motive an diesem Bachlauf ein. Was für ein Kontrast zu der ansonst kargen Geröllwüste.

Die Pistenfahrt geht weiter; bis am Horizont unterhalb der Gletscherkappen ein bläulich schimmerndes Etwas auftaucht. Erst als ich mich Kilometer für Kilometer weiter annähere, sehe ich, dass es sich um einen großen See handelt, dessen Wasseroberfläche der in Sonne in türkis-blau erstrahlt und einen erneuten Eyecatcher darstellt. Ich halte mich längere Zeit im Uferbereich des Hvítárvatn auf, um die herrlichen Motive aufzusaugen.

An einer Brücke überquere ich die Hvitá, die 35 Kilometer weiter flussabwärts den berühmten Gullfoss-Wasserfall bildet (siehe vorheriger Abschnitt).

Auch nachdem die Hvítá zurückgelassen wurde, bieten sich auf dem Weiterweg im Rückspiegel einmalige Ausblicke: die Erhebungen mit dem Langjökull-Gletscher, davor der farbige Hvítárvatn, eingebettet in einer kargen, aber leicht grün schimmernden Geröllwüstenlandschaft. Ich bin einfach nur überwältigt von diesen einmaligen Landschaftsformen.

Ich dringe immer weiter in das Hochland ein. Der Zustand der Schotterpiste ändert sich stetig: mal glatt und gut befahrbar; dann steinig und rutschig (hier wegen der drohenden Schleudergefahr 4x4 eingeschaltet); dann wieder einige Kilometer steinig und wellig. Meine Fotokameras hatte ich griffbereit im Kofferraum bereitsgelegt, jedoch dick in Jacken und Pullover eingewickelt und somit vor Staub und Erschütterungen geschützt. Apropos Staub: sieht man andere Geländewagen herannahen, so sollte man seine Fotoausrüstung und auch sich selbst vor den Staubaufwirbelungen schützen; und sinnigerweise die Türen seines eigenen Fahrzeuges schließen (Fenster und Heckklappe nicht vergessen). Glücklicherweise kündigen sich herannahende Fahrzeuge bereits Kilometer weit vorher durch die Staubfahnen an.

Eigentlich wollte ich die Kjölur-Hochebene bis zum Geothermalgebiet Hveravellir durchqueren und nach einem Abstecher zum Kerlingarfjöll auf der F35 zurück in Richtung Reykjavík fahren. Mein enges Zeitmanagement macht mir einen dicken Strich durch meinen Plan. Mit Blick auf meine Uhr breche ich die Tour kurz vor dem Abzweig zum Kerlingarfjöll ab, wendete und fahre in Richtung Þingvellir zurück, wo ich am frühen Abend noch eintreffen wollte. Jetzt ist einer der Momente gekommen, an denen ich mich ärgere, nicht noch 1 oder 2 zusätzliche Tage eingeplant zu haben und beneide die Reisenden, die ein mobiles Heim und Bett mit sich führen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, heißt es ja. Diesen Spruch muss ich noch öfters in den folgenden Tagen als Motivationsstütze heranziehen.

Jetzt noch eine Fotostrecke mit den Fotos, die ich Abschnitt zwischen Hvítárvatn und Abzweig zum Kerlingarfjöll gemacht habe:

Die Fotos sind hier entstanden:

zurück zum vorherigen Abschnitt:

zur nächsten Etappe der Tour: